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Kategorie: Geschrieben

Einfach zum Lachen

Lacht jeden neuen Tag an! Schenkt ihm ein fröhliches, ein neckisches, ein leises oder ein brüllendes Lachen. Gebt ihm den Vertrauensvorschuss. Wenn er sich beim Älterwerden als Arschloch erweist, könnt ihr ihn immer noch abschreiben. Arme Sau. Der morgige Tag wird es besser machen, also schenk ihm ein, ja genau, Lachen. Das klingt erstmal nach der Weisheit ausgelatschter Schuhe. “Gib jedem Tag die Chance der Schönste Deines Lebens… “. Ja, schon klar. Solche Sprüche gibt es wie Sand am Meer.

Ich meine aber das Lachen, das das Leben anlacht. Das Lachen aus reiner Freude. Ohne Erwartung, ohne Bedingung. Das Lachen, das die Liebe herbeizaubert. Einfach weil sie da ist. Das Lachen, das aus den einfachen Freuden resultiert, die wir so oft übersehen. Das Lachen, weil der Hund schon wieder so verdreht in seinem Körbchen hängt, das Lachen, weil endlich die Orchidee auf dem Küchenfensterbrett anfängt zu blühen, das Lachen, weil die Sonne am Morgen, so wunderschöne Strahlen durch die letzte schwarze Wolke schickt. Es gibt kaum etwas wertvolleres als diese Anlässe um zu lachen.

Man kann sich das ein bisschen angewöhnen. Vielleicht erst dann, wenn man gezwungen ist über das Lachen nachzudenken, oder wenn man es ganz verloren hat.

Ich hatte die Zeit über das Lachen nachzudenken, bzw. ihm hinterherzuspüren. Zwischen 2003 und 2008 hatte ich gar nichts zu lachen. Das lag an meinen allgemeinen Lebensumständen und an meiner Gesundheit. Es lag aber auch daran wie, oder besser gesagt warum ich früher gelacht habe. Ausgenommen mal die Jahre des Kinderlachens. Es war das Lachen, das durch gute oder schlechte Jokes ausgelöst wird, das boshafte Lachen, das “Sich über jemand lustig machen” Lachen und was auch sonst immer ein oberflächlicher Grund dafür gewesen sein mag. Wenn mich etwas tief ergriffen hat, vielleicht stellt Ihr Euch das Bild mit den schönen Sonnenstrahlen durch die schwarze Wolke vor, dann war ich eher damit beschäftigt ein Würgen im Hals zu bekämpfen, weil ich sonst eher eine Freudenträne geweint hätte, als aus purer Freude gelacht zu haben. Und auch das wollte ich mir nicht eingestehen. Im Nachhinein finde ich das ein wenig schade soviele Dekaden lang an den besten Stellen nicht gelacht zu haben.

In den letzten zehn Jahren hat sich das ganz allmählich verändert. Aus dem Bauch heraus, lange war es gar kein bewusster Prozess. Jetzt versuche ich seit längerer Zeit schon täglich das zu machen, was oben im ersten Satz steht und erst jetzt habe ich genug darüber reflektiert, um das hier auch einigermaßen vernünftig hinschreiben zu können. Ich sag’ Euch, es wirkt.

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Seltsame Tage

Noch längst nicht alle sieben Milliarden Menschenkinder haben über Corona geblogt. Ich auch nicht und deswegen wähne ich mich jetzt als dran. Medizinisch, technisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich gesehen ist schon viel dazu gesagt, sogar soviel, dass ich garantiert nichts Erhellendes mehr dazu beitragen kann. Also schreibe ich lieber über persönliche Eindrücke und Empfindungen.

Die Überschrift sagt ja schon was dazu. Ein Ereignis, das mir gleichzeitig so nah und so fern ist habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Über eine derartige Zeitspanne hinweg sowieso nicht. Mittlerweile kommt es mir so vor, als ob die allabendlichen Sondersendungen und der Tag nahtlos ineinander gleiten würden, die Tage dabei ihre eigene Sondersendung wären und “Tagesschau extra” selbstverständlicher als der Rest. Letztlich kann ich es aushalten, gegebenenfalls auch länger, aber “toll” ist etwas Anderes.

Niemand in meinem persönlichen Umfeld hier vor Ort ist oder war erkrankt. Aber da ist natürlich trotzdem die Sorge um meine steinalte Schwiegermutter, die diese Krankheit keinesfalls überleben könnte. Ein paar hundert Meter weiter, die Großnichte, keine zwei Jahre alt, die würde vielleicht kindertypisch gar nicht so schwer erkranken. Andererseits ist sie mit den Milchzähnen derzeit sehr geplagt, da braucht es das nicht auch noch.

Meine Frau hat plötzlich Schichtarbeit. Eine Woche läutet der Wecker jetzt um 4:40, die Woche darauf kommt sie erst um Viertel vor acht abends heim. Wir tun uns nicht ganz leicht damit unseren Tagesrhythmus neu zu strukturieren, besonders die Schlafqualität ist oft schlecht. Wenn man auf der Straße jemanden trifft und ein Weilchen zum quatschen stehenbleibt läuft es derzeit anders als üblich. Hier auf dem Land ist sowieso Platz, da steht man jetzt gleich noch weiter voneinander entfernt als zwei Meter und steht trotzdem fast nie jemandem im Weg. Manche brüllen sich gleich über die Straße hinweg die News zu. Im Supermarkt hingegen ist es eher eng. Ich grüble immer wo das richtige Zeitfenster liegen könnte, um ohne Halswirbeltrauma aus der Sache wieder rauszukommen. Beim Einkauf gibt es mittlerweile Menschen, die am Eingang des Supermarktes die Besucher zählen. Allerdings stellen sie, egal wie hoch die Kundenanzahl sein mag, niemals fest dass es zu voll ist. Und Arschlöcher, die sich lustige Sachen für die Kassenschlange ausdenken, gibt es überall.

Wir sind keine Prepper, kacken aber wie andere Menschen auch und backen seit Jahren gerne mal selber einen Laib Brot. Deswegen war manches leere Regal für uns dann doch eine blöde Überraschung. Eine liebe Freundin, der offenbar über finstere Kanäle ungeahnte Möglichkeiten offenstehen, brachte uns zwei große Pakete Toilettenpapier und Backhefe. Wir waren überwältigt!

Dann plötzlich doch, ein früherer Klassenkamerad aus München, mit dem ich – StayFiends sei Dank – seit einiger Zeit via Mail kommuniziere, schreibt von seiner überwundenen Coronaerkrankung. Der Mann ist 61, ein Hüne und grundsätzlich fit. Er berichtet von seinen eher atypischen Beschwerden und die bestanden aus niedrigem Fieber und einer 14 Tage andauernden extremen Kraftlosigkeit, die ihn in ihrem Ausmaß wohl richtig entsetzt hat. Seine Mutter (85) im Altenheim ist nun auch erkrankt, sie kann das Ganze nicht mehr richtig verstehen und ist wohl äusserst traurig, dass niemand zu Besuch kommen kann.

Von hier nach Downtown OL sind es nur etwas mehr als zehn Kilometer, aber momentan fahre ich nicht mehr hin. Vor knapp zwei Wochen war ich das letzte Mal dort und es war so unglaublich tot, das hat mich wirklich ein bisschen traurig gemacht. Ich habe mich für die andere Richtung entschieden; per pedes durch die Natur; hier gibt es genug Ecken wo schon in normalen Zeiten kaum jemand anzutreffen ist und da zieht es mich derzeit hin. Kann ich gut aushalten, denn Wandern in der Natur entschleunigt ohnehin und das passt jetzt so gut zu dem allgemein trägen, zähen Fluß der Dinge. Es ist schön diese Angleichung des Zeitempfindens zu erleben. Wo früher ein kalter Schnitt war und wohl auch bald wieder sein wird ist jetzt vorwiegend Harmonie.

Es ist mehr Freundlichkeit zu spüren und auch ein wenig mehr Engagement beim Thema Nachbarschaftshilfe. Irgendwie bin ich – warum auch immer – ein klein wenig zuversichtlich, dass die Gesellschaft zumindest geringfügig verbessert aus dieser Episode herauskommt. Ansonsten gilt: Hilft ja nix, da muss man durch und Freiheit ist mit Vernunft verknüpft.

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